Entwicklungsland
Fünf spielerisch eigenständige Evolutionsphasen und ein genialer Editor. Groß ist Spore auf jeden Fall ...
Wer nicht davon ausgeht, dass Gott unsere Urururururururururugroßeltern Adam und Eva in die Welt gesetzt und so unsere Zivilisation begründet hat, hängt seinen Glauben vermutlich an die eine oder andere wissenschaftliche Theorie: So könnte das Leben in einem Urozean beziehungsweise einer Ursuppe begonnen haben oder gar von einem auf unseren Planeten abgestürzten Kometen gekommen sein. Spore verbindet diese Ansätze und lässt ein Stück Himmelskörper in einen Ozean rauschen, woraufhin in dem Gewässer lustige Zellhaufen entstehen, die sich frei nach Darwins "Nur der Stärkere überlebt"-Lehre gegenseitig fressen.
Spannungsabfall
Auf eine Hintergrundhandlung verzichtet Spore beinahe ganz. Warum auch eine komplizierte Geschichte? Immerhin ist das Leben spannend genug. Na ja, Fischers "WoW - Arbeit - Schlafen - WoW"-Leben sicher nicht - die Entwicklung einer neuen Zivilisation vom niedlichen Zellhaufen bis hin zum großen Weltraumeroberer hingegen schon. Dummerweise geht dieses Vorhaben nur halb auf. Immer wieder beschlich uns beim Test das Gefühl, ziellos wie der Fliegende Holländer durch die Zivilisations-Ozeane zu schippern. Häppchenweise eingestreute Aufgaben helfen da nicht weiter ...
Oh, ist der putzig!
So bewegend es auch ist, zum ersten Mal die selbst kreierte Spezies unbeholfen umherdackeln zu sehen, so sehr rückt gerade dieser Spaßfaktor im Lauf der Zeit immer mehr in den Hintergrund. Zwar geraten Sie unterwegs dauernd mit dem vor Benutzerfreundlichkeit sprießenden Editor in Berührung, die als "Minispiele" verpackten Evolutionsstufen dazwischen wirken jedoch halbherzig. Es handelt sich natürlich nicht um richtige Minispiele, allerdings erscheint jedes einzelne davon wie die abgespeckte Kopie eines mehr oder weniger konventionellen Strategie- oder Rollenspiels. Die Stammesphase etwa: ein kastriertes Command Conquer. Die Kreaturenphase: ein kräftig eingedampftes World of Warcraft. Die Weltraumphase: ein Mini-Darkstar One. Und so weiter. Der Editor hält alles zusammen und reißt das Spiel aus der Mittelmäßigkeit. Über weite Strecken vergisst Spore aber, Sie voranzutreiben und Ihnen eine echte Herausforderung vor die Nase zu setzen.
