pcaction.de - Players. Community. Action!

Die Völker 2 (PC)

Release:
15.06.2001
Genre:
Strategie
Publisher:
k.A.

Die Völker starten einen erneuten Angriff auf die Genrespitze.

06.07.2001 11:43 Uhr
|
|

Diese ’doppelte’ Stadtmauer dürfte ungebetene Gäste auf Distanz halten. Diese ’doppelte’ Stadtmauer dürfte ungebetene Gäste auf Distanz halten. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Ja ist denn heut schon Weihnachten? Dumme Frage, natürlich nicht. Wirft man aber einen Blick in die im Sommer stets recht dünnen Händlerregale, purzeln einem seit wenigen Tagen mit Siedler 4, Cultures - Rache des Regengottes, Tropico, Startopia und eben Die Völker 2 gleich eine ganze Hand voll ordentlicher Aufbaustrategiespiele entgegen, die innerhalb der letzten drei Monate erschienen sind. Umso besser, wenn man sich wie Die Völker 2 mit dem ersten Teil bereits eine begeisterte Fangemeinde von über 100.000 Strategen erspielt hat. Letztere werden sich vor allem wohlwollend an ein echtes Novum, ja fast einen kleinen Skandal erinnern, für das der inzwischen zwei Jahre alte Vorgänger sorgte. Durften sich bis Anno 1999 nur männliche Knuddelmännchen und -Krieger durch grüne Wälder und saftige Wiesen schlagen, tauchten bei Die Völker plötzliche blonde Schönheiten im rassigen Krieger-Outfit auf und verdrehten so manchem Spieler gehörig den Kopf - Rrrrrr!
Logisch also, dass auch beim Nachfolger die schönen und naturverbundenen Damen der Amazonen wieder mit von der Partie sind. Gleiches gilt auch für die knuffigen Pimmons und die Sajikis, eine nach wie vor ziemlich gehässige und tequilasüchtige Spezies der Insektoiden. Durften Sie bei Die Völker noch Ihr gesamtes Volk als eine Art Gottvater regieren, unterteilt sich nun jedes Volk noch einmal in jeweils drei Stämme, von denen Sie jeweils einen als eine Art Stammeshäuptling anführen. Dieser "Machtverlust" macht das Spiel allerdings um einiges interessanter und erlaubt einen sehr viel intensiveren Handel mit befreundeten Stämmen, als dies zuvor der Fall war.
Doch der Rollentausch vom alleinherrschenden Gottvater zum umgänglichen Stammeshäuptling bringt noch eine interessante Neuerung mit sich und haucht dem Spiel dadurch sehr viel mehr Eigenleben ein: Genau wie bei Cultures besitzt jeder einzelne Dorfbewohner einen eigenen Namen, eine Wohnung, Frau, Kinder, einen Arbeitsplatz, im Idealfall eine Ausbildung und geht einem geregelten Tagesablauf nach.
Ein Spieltag beginnt stets um 8 Uhr morgens in der Dämmerung, wenn die Arbeiter aus ihren Häuschen kriechen und die Frauen Früchte sammeln gehen. Von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr vergnügt sich der arbeitende Teil Ihrer Bevölkerung im Wirtshaus, während die Gattinnen auf Shoppingtour gehen, bevor sie um halb fünf im Gebetstempel verschwinden. Eine Stunde später machen dann auch die Männer Feierabend und es wird Dunkel. Im Schutze der Nacht werden Ehen geschlossen, Kinder gezeugt und Todesfälle bedauert, wovon Sie am nächsten Morgen Notiz nehmen. Eine Besonderheit haben hier übrigens noch die emanzipierten Amazonen zu bieten, bei denen bodygebuildete Männer in pinken Unterhöschen den Hausmann spielen, während sich die edlen Damen nicht zu schade sind, Bäume zu fällen und Holz zu schleppen.
Als Städteplaner müssen Sie - je nach Missionsziel - aus einer kleinen Siedlung mit zwei Wohnhäusern, einem Palast und einem Brunnen ein schmuckes Dorf mit Schule, Labor, Sägewerk und Bäckereien aus dem Boden stampfen. Wichtigste Spielfigur ist hierbei Ihr Baumeister, der sämtliche Gebäude errichtet. Ihm zur Seite sollten stets ein paar Handwerker und Träger stehen, um die nötigen Rohstoffe zur Baustelle zu transportieren. Später lassen sich in der Schule Kinder und Jugendliche zu weiteren Baumeistern oder Handwerkern ausbilden. Fehlende Rohstoffe oder Bedarfsgüter, wie Holz und Erdbeertörtchen, können Sie von anderen Stämmen und fliegenden Händlern erwerben, die Ihnen in der Regel auch gerne Ihre Waren abkaufen. Aber nicht nur der Handel, auch der Arbeitsmarkt brummt. Häufig bieten Ihnen arbeitslose Forscher oder Ritter gegen ein paar Goldmünzen ihren Dienst an. Auf Letztere können Sie, genau wie auf alle anderen Kampfeinheiten, auch vollkommen verzichten. Denn wer einfach nur in Ruhe seine Siedlung aufbauen und dabei etwas Handel treiben möchte, erreicht das Spielziel genauso wie jemand, der permanent Krieg führt. Von sich aus werden andere Stämme Ihr Volk aber nie angreifen.
Hauptkritikpunkt des ansonsten hoch gelobten ersten Teils war die etwas umständliche Steuerung. Hier haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen, damit man sich nicht mehr durch unzählige Menüs klicken muss. Viele Informationen lassen sich direkt aus dem Spiel "ablesen" - kommt aus dem Schornstein einer Fabrik beispielsweise kein Qualm mehr, kann da irgendwas nicht so ganz stimmen. Auch wenn das Menü übersichtlicher als beim ersten Teil strukturiert wurde, braucht man einige Zeit, bis man weiß, was sich hinter welchem Button verbirgt. Gottlob erleichtern dem angehenden Stammesführer eine Reihe nützlicher Hotkeys das Leben. Abgesehen von Kampfeinheiten, die Sie direkt per Mausklick auf die Gegner loslassen, steuern Sie Ihre Untertanen indirekt. Anstatt Einzelpersonen zu befehlen, was zu sie machen sollen (zum Beispiel einen Baum fällen), bestimmen Sie, was in Ihrem Dorf zu tun ist (zum Beispiel Bäume fällen), und der nächste freie Arbeiter wird sich dieser Aufgabe annehmen - sehr praktisch.
Ein ganz dickes Lob hat sich Jowood für die schicke Optik verdient. Weder Die Siedler noch Cultures bringen das wuselige Treiben derart detailliert, knuddelig und hübsch rüber. Die Animationen aller Figuren, vor allem beim näheren Heranzommen, sind herzallerliebst und dank der stufenlos zoombaren Grafik-Engine geht auch die Übersicht selten flöten. Jede einzelne Spielfigur lässt sich mittels Mausklick sofort orten und auch das Bauen von neuen Gebäuden geht mit wenigen Mausklicks sehr leicht von der Hand. Für die stimmige Atmosphäre sorgt zudem der passende Soundtrack des "amerikanischen Chris Hülsbeck", Jesper Kyd.
Neben dem Endlosspiel und einem Mehrspielermodus für bis zu sieben Mitspieler stellt der Kampagnenmodus das Herzstück des Spiel dar. Wahlweise mit den Amazonen, den Pimmons oder den Sajikis können Sie in jeweils sieben Missionen Ihr Können unter Beweis stellen. Zählte das ausgeklügelte und spannende Missionsdesign noch zu den Stärken des ersten Teils, entpuppt es sich beim Nachfolger als echte Schwäche. Die Missionen sind weder besonders schwer, noch wirklich abwechslungsreich. Wer mit einem Volk die Kampagne durchgespielt hat, wird bei den anderen beiden Völkern schnell Langweile kriegen, zu gering sind die Unterschiede, die Missionsziele die gleichen. Eigentlich mehr als ärgerlich, denn mit ihrer schicken Optik und dem starken Wirtschaftssystem haben auch Die Völker 2 zweifelsohne das Zeug zum Hit - aber dazu gehören eindeutig bessere und motivierendere Missionen.

   
Bildergalerie: Die Völker 2
Bild 1-3
Klicken Sie auf ein Bild, um die Bilderstrecke zu starten! (3 Bilder)
Die Völker 2 (PC)
Spielspaß-Wertung

79 %
Leserwertung
(0 Votes):
-